Die erste Linux-Distribution, die ich installiert habe, wurde über die 64-kBit/s-Verbindung
der gesamten Universität Leipzig über mehrere Tage heruntergeladen. Es gab nur die Textoberfläche, kein multi-Threading aber endlich ein Speichermodell, mit dem ich mehr als 64kByte-Häppchen in numerischen Berechnungen auf einmal adressieren konnte (für die Experten). Der Umstieg in der täglichen Arbeit auf einen Windows-PC knapp 10 Jahre später beim Wechsel aus der Wissenschaft in die Wirtschaft kam mir vor, als hätte mir jemand beide Hände auf dem Rücken zusammengebunden ...
In Sache Fähigkeiten muss man bei Windows 11 lernen, allerhand Dinge weg zu konfigurieren, wie Intru ausführte, bei Linux dagegen manchmal einiges dazu konfigurieren - in meinem Fall den OpenCL-Treiber für meine AMD-Grafikkarte auf Debian Linux zur Beschleunigung von Darktable (geht vielleicht inzwischen auch ohne). Debian begleitet mich übrigens seit Rex (V1.2), seit 1997. Ich denke, ich habe das seitdem dreimal frisch installiert, jeweils auf komplett neuer Hardware :-), sonst immer mit den Versionen gepflegt. Früher war das manchmal ein wenig Gebastel, inzwischen immer weniger, weil ich weniger drin herumpfuschen und anpassen muss.
Mit Rawtherapee und Darktable geht es mir ähnlich wie Martin (Nano), umgestiegen bin ich hauptsächlich wegen der Katalogfunktion bei Darktable - gerade genug und nicht zuviel für mich. Wenn ich automatisiert etwas entwickeln möchte, z.B. in der Vorverabeitung für tiefe Makro-Stacks, oder den ultimativen Detailgehalt aus den Rohdaten zaubern will, nehme ich weiterhin Rawtherapee. Einige Dinge sind sicher schwieriger als in Lightroom (insbesondere lokale Anpassungen), andere dafür erst möglich. Insbesondere mag ich die robusten Ergebnisse des Tone Equalizer bei starken Kontrastanpassungen für den Druck.
Der Druck ist so eine Sache: Der Epson-Linux-Treiber funktioniert für "normale" Sachen bei meinem ET-8550 wirklich gut, aber den speziellen Schwarzweiß-Modus kann er nicht. Dafür habe ich dann eine virtuelle Windows-Maschine.
Zum Vorsortieren kommt bei mir übrigens auch ein Windows-Programm zum Einsatz: FastRawViewer, nach dem Lesen und Backup-Schreiben der Speicherkarten mit dem Rapid Photo Downloader. FastRawViewer läuft problemlos und schnell mittels Wine unter Linux und ist gegenüber dem auch sehr gut brauchbaren Geeqie (z.B. mit konfigurierbarer Stapelfunktion inkl. Sidecar-Datei-Erkennung) noch einmal stärker auf genau diese Aufgabe ausgerichtet. Auch Helicon Focus betreibe ich oft unter Wine (mit kleinen Einschränkungen) - mein Dual-Boot-Windows kommt immer seltener zum Einsatz. Vielleicht hätte ich doch Zerene Stacker kaufen sollen ... langsamer, aber nativ unter Linux. Das kommt vielleicht noch, beide haben verschiedene Stärken.
Ein Tipp für einen Image-Editor: Gimp hat eine unübersichtliche Oberfläche und immer noch kein r
. Letzteres könnte mit der vor 2 Wochen erschienenen Version 3.0 eventuell zwar behoben sein, da muss ich 'mal nachlesen, aber neu lernen sollte man vielleicht besser Krita.
Ah, Farbmanagement: Damit hat Wayland (Grafikprotokoll/Schnittstelle zu Anwendungen) in den aktuellen stabilen Distributionen noch so seine Probleme. Das alte X11 ist da erwachsener und kann teilweise noch ausgewählt werden. Ob und wie das bei Wayland bei welcher Distribution behoben wird, weiß ich nicht - es hat eine
und ist, wie ich gerade selbst erst gelesen habe, vor Kurzem endlich im Code gelandet.
_________________
Gruß, Jens
(Wild-)Bienen und Beifang über's Jahr:
,
,
bei flickr,